Palazzina Cinese

Inmitten des weitläufigen Parks der Favoritin wurde dieses Gebäude 1799 von Venazio Marvuglia für den Bourbonen Ferdinand III errichtet. Der neoklassizistische Stil wird hierbei unterbrochen durch chinesisch anmutende Motive, wobei die Phantasie des Architekten die gegensätzlichsten Stilrichtungen, von der Gotik bis zum Neoklassizismus zusammenwürfelte. Während seines Exils in Palermo wurde die Palazzina zur Lieblingsresidenz von König Ferdinand IV und seiner Gemahlin Maria Carolina; zu Gast kamen auch Admiral Nelson und Lady Hamilton. Die Tonnengewölbe verschiedener Räumlichkeiten zieren Fresken von G. Patania und V. Riolo. Im Kellergeschoß  befinden sich der Tanzaal und der Saal für die königlichen Audienzen im puren Stil Ludwigs XVI. Im Halbparterre der Repräsentationssaal und der Speisesaal, dessen Tisch eine Besonderheit verbirgt: einen seltsamen Mechanismus, durch den die Speisen und Teller, ohne den Einsatz von Bediensteten aufgetragen und abgeräumt werden können. Links des Gebäudes befindet sich die neoklassizistische “Cappella Reale” mit einem achteckigen Grundriss und einer von acht ionischen Marmorsäulen getragegen Kuppel; auf dem Altar thront das große Gemälde der “Madonna della Lettera”. Besonders interessant erweist sich der Besuch des “Museo Etnografico Siciliano Pitrè”, eines der bedeutendsten seiner Art in Europa, das 1909 vom palermitanischen Ethnolegen Giuseppe Pitrè gegründet wurde. Die reichhaltige Sammlung dokumentiert das Leben und das Brauchtum des sizilianischen Volkes.